Gut oder böse, wir sind vor allem Menschen

Wie schwierig ist es eigentlich, sich mit dem Feind zu versöhnen? Wie viele Generationen braucht man dafür? Hier auf dem Friedhof Ysselsteyn arbeitete Lodewijk Johannes Timmermans 28 Jahre lang unaufhörlich an der Versöhnung zwischen den Niederlanden und Deutschland. Und das, obwohl er selbst von einer deutschen Mine schwer verwundet worden war.

Auf Bitte der Amerikaner wird kurz nach dem Zweiten Weltkrieg damit begonnen, deutsche Soldaten an einem zentralen Ort in den Niederlanden zu begraben oder dorthin umzubetten. Die niederländische Regierung weist dafür ein Grundstück in Ysselsteyn (Provinz Limburg) an. Auf diesem Gelände wächst allmählich ein riesiger, beeindruckender Friedhof, auf dem letztlich rund 31.500 deutsche Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg ihre letzte Ruhestätte finden. Sie werden aus verschiedensten Orten von Ameland bis Maastricht hierhergebracht – oftmals ohne jegliche Identifizierung. Denn in der Hektik des Krieges hatten die deutschen Soldaten, die sich um diese Gefallenen kümmern sollten, häufig keine Zeit, ihre Kameraden zu identifizieren oder ihnen ein Begräbnis „mit militärischen Ehren“ zu bieten. Sie hatten ganz andere Sorgen und mussten meist zusehen, dass sie ihr eigenes Leben retteten. Das erklärt ansatzweise die große Zahl der Grabkreuze, auf denen man liest „Ein unbekannter Soldat“.

Timmermans op begraafplaats

Hören Sie sich diese Geschichte an der Hörstation der Liberation Route Europe auf dem Deutschen Kriegsfriedhof in Ysselsteyn an.

Liberation Route Europe Hörstation 203
Ysselsteyn 2

Hauptmann a.D. Lodewijk Johannes Timmermans setzte sich von 1948 bis zu seiner Pensionierung 1976 dafür ein, diese unbekannten Soldaten zu identifizieren, ihnen ein würdiges Grab zu schaffen, ihre nächsten Verwandten ausfindig zu machen und zu informieren. Darüber hinaus bot er Führungen an und engagierte sich unermüdlich für die Versöhnung zwischen den Niederlanden und Deutschland.

Und obwohl er selbst Opfer einer deutschen Mine geworden war, wodurch er monatelang erblindet war, hegte er keinerlei Rachegefühle gegen den Feind. Er kam aus einer sozial engagierten Familie, in der die menschliche Würde als hohes Gut galt. Zudem hatte ein deutscher Soldat ihn monatelang gepflegt, als er noch nicht wieder sehen konnte.

Sind Sie gespannt auf die Perspektive von Kapitän Timmermans selbst? Lesen Sie seine persönliche Geschichte auf dieser Website oder erleben Sie die Geschichte mit einem Augmented-Reality-Video in der Venray-Remembers-App am Erfahrungspunkt 1 der Radstrecke „Auf der anderen Seite“.

Weitere Bilder zu dieser Geschichte

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Groepsfoto

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Radstrecke ‚Auf der anderen Seite‘

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